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»Wenn ich einmal alt bin, werde ich nur nörgeln — das wird ein Spaß!«

Tipps und Tricks, aber auch Kritik - breit gefächert von Technik bis hin zum Design, manchmal (oder immer öfter) auch Politik.

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Richter, Politiker und Manager...

Nach der gestrigen Wahl könnte ich eigentlich schon wieder massig Blogeinträge schreiben — aber ich lasse mich überraschen, wie sehr sich die FDP in ihren Machtfantasien von der CSU einlullen lässt, freue mich weiterhin über das gestrige Gesicht von Beckstein und kann ganz klar sagen: etwas über 50 % Wahlbeteiligung, also ungefähr die Hälfte Nichtwähler, zeigt klar, was die Leute von der Politik halten. Weniger als 20 % für die SPD ist auch für die nicht gerade eine Parade. Heute möchte ich eigentlich nur drei Punkte zusammen fassen.

#1: Wieder ein Beispiel für Leute, die keine Ahnung haben, was sie da eigentlich machen — und dann im Namen des Volkes Urteile fällen, die keinerlei Praxisbezug haben. Das LG Oldenburg (auf deren Website befindet sich doch tatsächlich im Header ein Bild mit knapp 4 MB (oben links, das mit dem im Wasser gespiegelten Gebäude)) hat entschieden (5 O 2421/08), dass bereits die Nutzung eines Filesharing-Clients nicht privat, sondern kommerziell ist. Also nie wieder OpenOffice.org oder Ubuntu per BitTorrent laden, es führt zu einem Auskunftsanspruch. Vielleicht sollte man jemand in Oldenburg bei den Herren aufkreuzen und ihnen die Gemeinsamkeiten von P2P-Tools sowie einem Browser erklären, und was beide für Möglichkeiten bieten.

#2: Der Kieler Landtag will die Gemeinden im Norden unterstützen, um gegen die herumfahrenden Google Earth-Autos vorzugehen. Dass dabei Google ganz anders behandelt wird als alle anderen, die schon seit 50 oder 60 Jahren die Panoramafreiheit in Deutschland genießen, interessiert da natürlich keinen. In einem Forenbeitrag liest man auch was von der ominösen Seite kreuzungsperspektive.de, die ebenfalls eine Sammlung Fotos von Kieler Kreuzungen anbietet — und das schon seit mindestens 2007. Das Straßenvermessungsamt hat übrigens die Verwendung entsprechender Satellitenfotos als Grundlage offiziell abgesegnet.

#3: Erst nix schaffen, und wenn die Technik dann so weit ist, die Hand aufhalten und sich die Taschen füllen wollen: Was man bisher eigentlich nur von der Musik- und Filmindustrie kennt, scheint nun auch die Buchindustriezu entdecken — warum nicht eine Buchpreisbindung auf eBooks? Vermutlich wird es auch hier darauf rauslaufen, dass kaum jemand — dank gleicher Preise obwohl keine Herstellungskosten (Papier, Druck, Bindung) und weniger Vertriebskosten — eBooks kaufen wird und am Schluss die Raubkopierer schuld sind. Und natürlich wird man versuchen, DRM zu etablieren und damit scheitern. Dummerweise gibt es gerade bei Büchern und Informationstexten im Netz noch mehr Alternativen als bei Musik — beispielsweise sei hier nur mal WikiBooks erwähnt. Mal warten, bis sich die Verlage an Angela Merkel wenden mit der Bitte nach strengeren Gesetzen.

Wahl vorbei...

Es kam zumindest das Wichtigste bei der Landtagswahl raus: Die CSU (~43 %) hat keine absolute Mehrheit mehr in Bayern (hier ein äußerst tolles Foto von Beckstein — gönn ich ihm richtig). Leider hat die FDP (~8 %) zu viel und die Linke zu wenig (~4,7 %) bekommen — und damit bleibt uns Stasi-Beckstein wohl erhalten. Mit über 10 % sind die Freien Wähler ebenfalls in den Landtag eingezogen, was auch für ein bisschen Abwechslung sorgen dürfte, wenn auch unklar ist in welche Richtung (deren Wahlwerbung war mir irgendwie noch nie wirklich verständlich).

Beckstein spielt Verfassungsrichter

In einem Schreiben an das Bundesverfassungsgericht empfiehlt Eberhard Sinner (MdL, CSU) von der Bayerischen Staatskanzlei:

Eine Änderung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts … bedarf es … nicht. Zur Aussetzung des Vollzugs von § 113b Satz 1 Nr. 2 und 3 TKG besteht kein Anlass. Durch diese Regelungen drohen … schwere Nachteile für den Einzelnen und die Allgemeinheit.

Schön, hätte die CSU (da steckt garantiert Beckstein dahinter) mal wieder Verfassungsrichter gespielt: „Es ist alles legal, was wir machen!“ oder „Wir bestimmen die Verfassung“. Der Antal der in Bayern und Franken lebenden Leute der etwas über 34.000 Unterzeichner der Klage gegen die VDS dürfte die CSU sowieso nicht wählen, und dem Rest sollte es auch zu Denken geben.

Schon wieder Öffentlich-Rechtliche...

Mal wieder die Öffentlich-Rechtlichen, hier ein paar Zitate aus einem Heise-Bericht:

TV und Hörfunk seien womöglich schon bald nicht mehr das geeignete Medium um die „junge Generation“ zu erreichen, betonte Peter Boudgoust, Intendant des Südwestrundfunk (SWR), heute vor dem Rundfunkrat in Baden-Baden.

Dass TV und Hörfunk nicht sonderlich gut ankommen, wissen wir seit vielen Studien über den Bedeutungszuwachs des Internets, ein „womöglich schon bald“ ist da eigentlich fehl am Platze. Deswegen will der SWR da auch hin — wir kennen das ja alle. Abgaben auf PCs, nur weil den Öffentlich-Rechtlichen mangels sinnvollem Programm die Zuschauer wegsterben. Wer die beliebten Spiele (GTA bspw.) nimmt, ein paar Motifikationen vornimmt (HotCoffee) und damit der Bevölkerung erzählt, Jugendliche hätten nur noch Vergewaltigungen im Kopf, ist selbst schuld. Wer pro Vorratsdatenspeicherung berichtet — ein Thema, für das sich ältere Herrschaften mangels Internetanschluss eher seltener interessieren (für Telefongespräche werden die Daten ja sowieso im Einzelverbindungsnachweis aufgelistet) — braucht sich nicht wundern. Wer den Nachwuchs — sobald nur irgendwie möglich — mit der gewissen Zwangsbesteuerung (ja, Gebühren, ich weiß) bedenkt und Informationsbriefe noch und nöcher verschickt, macht sich auch nicht gerade beliebt. Aber das habe ich ja alles schon mal geschrieben. Nun kommt allerdings der Retter der Öffentlich-Rechtlichen, Peter Boudgoust:

Der SWR will jedoch aktiv dem „schwindenden Informationsbedürfnis“ von Kindern und Jugendlichen entgegentreten und vertraut auf seine Kernkompetenzen Information, Wissen, Service und Unterhaltung.

Super. Einfach mal alles, was einem einfällt, in die Liste der Kernkompetenzen schreiben. Ich bin ja schon froh, dass sie nicht „Finanzierung“ geschrieben haben, und „Lobby-Arbeit“ sowie „Politische Meinungsbildung“ haben sie auch vergessen. Der Kern der Aussage (zwischen den Zeilen) dient wohl der Rechtfertigung, die Gebühren auch für Computer auf den TV-Stand zu bringen und deutet wohl auch darauf hin, dass er am liebsten noch mal 2 € auf die Gebühren draufschlagen würde, um eine lustige Internetseite zu basteln.

Für Boudgoust kommt es immer mehr darauf an, die junge Generation an das Wissen der Welt heranzuführen.

Das Wissen der Welt besteht nun mal nicht aus „Der Bundestag hat heute wieder ein tolles Gesetz erlassen“ und Microsoft-Logos und auch teure Plakatwerbung ist nicht gerade das, wofür man gerne seine Gebühren zahlt. Im Gegenteil — im Internet finden sich beispielsweise Blogs in Massen, die einem sogar die Möglichkeit bieten, die News lokal zu lesen — nein, die Headline-Only-Feeds der Tagesschau sind nicht das, was einem vom Hocker reist. Im Netz wird man übrigens auch über die Geschäftsgebahren der GEZ. Oder man guggt einfach die Sendungen der privaten Sender — zwar auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber immerhin.

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