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»Wenn ich einmal alt bin, werde ich nur nörgeln — das wird ein Spaß!«

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Schießerei in Landshut: Einlasskontrollen am Gericht

Zur Schießerei in Landshut gibt es inzwischen wie bei Spiegel Online erste Berichte über die typischen politischen Konsequenzen von irgendwelchen Gewalttaten. Der Mann, der da mit der Waffe handierte, war 60 und erschoss im Gericht Menschen — unter anderem auch sich:

Seit 35 Jahren ist er berechtigt, Waffen zu führen. 1974 erwarb der Sportschütze die Waffenbesitzkarte.

Schon wieder ein Sportschütze mit Waffenerlaubnis — scheint sich wohl zu häufen. Aber statt mal drüber nachzudenken, ob Egoshooter damit wirklich was zu tun haben können (der gute Mann war 60), kommt — typisch Bayern — wieder die allseits bekannte Partei auf die Bühne:

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte, man müsse in Zeiten „zunehmender Gewalt“ Konsequenzen ziehen. „Hierzu gehört auch ein verstärkter Einsatz von Sicherheitsschleusen an Gerichtseingängen.“

Eigentlich wollten die ja auch schon Sicherheitsschleusen an Schulen aufstellen… Und, nachdem es hin und wieder vorkommt, empfehle ich noch zusätzlich Schleusen an Bahnhöfen, Privathäusern, Straßen usw.

Btw: Hat eigentlich schon mal jemand erwähnt, dass der Sinn von Ego-Shootern nicht der ist, sich selbst umzubringen?

Wahl vorbei...

Es kam zumindest das Wichtigste bei der Landtagswahl raus: Die CSU (~43 %) hat keine absolute Mehrheit mehr in Bayern (hier ein äußerst tolles Foto von Beckstein — gönn ich ihm richtig). Leider hat die FDP (~8 %) zu viel und die Linke zu wenig (~4,7 %) bekommen — und damit bleibt uns Stasi-Beckstein wohl erhalten. Mit über 10 % sind die Freien Wähler ebenfalls in den Landtag eingezogen, was auch für ein bisschen Abwechslung sorgen dürfte, wenn auch unklar ist in welche Richtung (deren Wahlwerbung war mir irgendwie noch nie wirklich verständlich).

Bayerntrojaner: Existenz offiziell bestätigt

Beim Landesverband Bayern der Piratenpartei berichtet man von einer Hausdurchsuchung — die Partei hatte im Januar einen zugespielten Brief veröffentlicht (als PDF, Zusammenfassung, englische Informationen bei Wikileaks), in dem haargenau über den Einsatz eines Bayerntrojaners berichtet wird.

Nach dieser Hausdurchsuchung beim Pressesprecher der Piratenpartei gehen die Piraten wohl zurecht von der Echtheit des Schreibens aus. Einerseits sieht man dadurch wieder die Intelligenz der verschiedenen staatlichen Institutionen (den Informant kriegen sie dadurch nicht raus, die Bestätigung über die Echtheit aber gleichzeitig abgegeben). Im Dokument zumindest sieht man den Einsatzzweck genau (es geht um Skype):

Um die technische Umsetzung der Überwachung dennoch zu gewährleisten, muss auf dem Rechner des Betroffenen eine spezielle Software installiert werden, mit deren Hilfe die relevanten Daten vor der Verschlüsselung „abgegriffen“ und an das Bayer. Landeskriminalamt übersandt werden können.

Immerhin haben die guten Leute bei DigiTask (der Anbieter der Schnüffelsoftware) das Protokoll scheinbar näher analysiert:

Zwar lässt sich bei Überwachung von Festnetz- oder DSL-Anschlüssen der gesamte, mittels Skype erzeugte Datenverkehr aufzeichnen, jedoch nicht entschlüsseln. Die Verschlüsselung von Skype erfolgt über den AES (Advanced Encryption Standard; „Rijndael“) mit einem 256-Bit-Schlüssel. Die symmetrischen AES-Keys werden mit RSA-Keys (1536 bis 2048 Bit) ausgehandelt. Die öffentlichen Schlüsel der Nutzer werden durch den Skype-Login-Server beim Einloggen bestätigt. Um Skype-Kommunikation zu überwachen, müssen daher andere Ansätze als bei der herkömmlichen Telekommunikationsüberwachung realisiert werden.

Backdoor scheinen sie keinen zu kennen (ob in Skype irgendwas ist — wer weis?), sonst würden sie nicht eine Software installieren wollen. Sie kennen ja scheinbar das Skype-Protokoll ansatzweise.

Immerhin: Deren Software läuft nur unter Windows 2000 und Windows XP; das Schreiben enthält leider kein Datum, aber mit Vista wurde es zumindest lange Zeit schwierig. Wie ich das interpretiere, kann man getrost alle Terroristen dazu aufrufen, ihre Anschläge mit Linux zu planen… Würde gern mal sehen, wie die bei einem heimlichen Hausbesuch zur Installation (Terroristen klicken nun mal nicht jeden Dateianhang an, wie im Dokument angedeutet) vorbeikommen wollen, und das Setup nicht so wirklich laufen will *g*

Hausdurchsuchungen zur Abschreckung jedenfalls gibt es häufiger, hier mal ein Zitat aus einem Zeit-Artikel:

Die Hausdurchsuchungen bei mutmaßlich militanten Gegnern des G8-Gipfels in Heiligendamm geben einen Vorgeschmack darauf, wie Wolfgang Schäubles präventiver Sicherheitsstaat aussehen könnte.

Und würde es die Piratenpartei mal schaffen, einen kompletten RSS-Feed anzubieten (und nicht nur drei Sätze pro Artikel), würde einem auch so was wie das hier auffallen und man könnte darüber berichten. Aber leider ist die wohl einzige wählbare Partei in Deutschland noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit (das Wahlprogramm ist allerdings besser als der Webauftritt).

Einheitsbrei

Gerade bei focus.de gelesen und im Hinblick auf Bayern nur fast treffend (100 % aller Stimmen hat die CSU ja glücklicherweise nicht):

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wisse man, was möglich sei: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.

Diese Aussage kommt von Hans-Peter Uhl (CSU) — und CSU als Stichwort bedeutet wieder einmal mehr: anständige Bayern sollten die CSU wählen, und wer gegen Kinderpornos, Gewalt in den Medien, Killerspiele usw. ist, sowieso. Bei Beckstein gibt es keine Probleme mehr mit den Arbeitsplätzen, im Kampf gegen den Terrorismus hat er ebenfalls geniale Ideen, und auch sonst weiß Beckstein genau, wie er künftige Wähler geschickt ködert. Dabei vergisst er auch nicht, sich zum Wohle der von ihm betreuten Unternehmen einzusetzen (Beckstein sitzt im Aufsichtsrat des Nürnberger Flughafens).

Kommen wir zurück zum China-Vergleich: Ein CSU-Politiker will also alles zensieren, was der Regierung nicht passt, wenn ein eingesetzter Leistungsträger nicht passt, wird mit verschiedenen Mittelchen nachgeholfen. Mal schauen, wann der erste Wahlbetrug aufgedeckt wird (sofern nicht durch den geschickten Einsatz von Wahlmaschinen verhindert).

Dumm nur, dass die SPD sich durch verschiedene politische Einstellungen (Hartz IV, Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht…) ebenfalls (und häufig zusammen mit der CSU/CDU) disqualifiziert hat, die FDP und die Grünen sowieso ihren „großen Schwesterparteien“ nachplappern.

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