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»Wenn ich einmal alt bin, werde ich nur nörgeln — das wird ein Spaß!«

Tipps und Tricks, aber auch Kritik - breit gefächert von Technik bis hin zum Design, manchmal (oder immer öfter) auch Politik.

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Wie die Kartoffelindustrie reich wurde...

Es war einmal vor wenigen hundert Jahren, als noch jeder seine Kartoffeln selbst um sein Haus herum anpflanzte, erntete und genoss. Jeder hatte ein bisschen Ackerland, und jeder wurde satt, hatte genug Kartoffeln zum Leben. Nicht viel später kam die Zeit der Propaganda. Der Fürst empfahl den Leuten, sich doch mit anderen Dingen zu beschäftigen, für ihn zu arbeiten, Geld zu verdienen, und im Gegenzug dazu die Kartoffelproduktion an einen einzelnen Bauern im Dorf auszulagern. Anfangs konnte jeder zu diesem Bauern gehen und sich günstig mit Kartoffeln eindecken. Da der Bauer nicht dumm war und außerdem seine Nichte Karla gerade einen bequemen Arbeitsplatz suchte, überlies er ihr den Vertrieb seiner Kartoffeln.

Die Nichte eröffnete einen Laden, und weil man mit Kartoffeln aus den anderen Dörfern mehr verdienen konnte, nahm sie diese ebenfalls mit ins Angebot. Nach und nach wurde aus dem Laden eine große Kette – sie schaffte es sogar, zusammen mit einigen Mitbewerbern, den Kartoffelhandel abseits ihres Ladens so gut wie vollständig auszutrocknen. Sie nahm nur noch Kartoffeln von Großbauern, die statt auf Qualität auf Quanität setzten und ihr niedrige Einkaufspreise bescherten.

Das System lief mehrere Jahrzehnte ohne Probleme, Karla verdiente mehr und mehr Geld, und zusammen mit ihrem Onkel lachte sie sich ins Fäustchen. Eines Tages jedoch gab es einige Veränderungen in der Gesellschaft: es kam Do-It-Yourself in Mode, es gab durch die Forschung schnellwachsende und platzsparende Kartoffelpflanzen, und durch die Erfindung von Blumentöpfen hatte nun jeder die Möglichkeit, Kartoffeln ohne viel Aufwand selbst zu züchten. Und noch viel besser: durch Tauschen mit Nachbarn hatte man Zugriff auf viele, viele verschiedene Kartoffelsorten. An den Pflanzen hingen regelmäßig so viele Kartoffeln, dass man sie weder zählen noch verbrauchen konnte.

Das Erfolgsmodell wurde weltweit exportiert. In armen Ländern hatten die Menschen nun genug zu Essen, während in den reichen Ländern ein richtiger Überfluss an Kartoffeln herrschte. Nur Karla schaute ein bisschen dumm aus der Wäsche – sie verdiente bei weitem nicht mehr genug, um ihren Lebensstil weiter finanzieren zu können. Und auch ihr Onkel hatte große Probleme, seine Kartoffeln loszuwerden. Sicher, hungern musste er nicht, und auch wenn er sich einen anderen Beruf gesucht hätte, wäre die Welt davon nicht untergegangen – aber konnte das wirklich sein, dass er von heute auf morgen überflüssig geworden war? Und das, obwohl sein Nachbar sich immer noch mit Kartoffeln über Wasser halten konnte? Dabei steckte dieser seine Kartoffeln doch nur in eine andere Packung, würzte sie und verkaufte sie im heißen Zustand. Nein, mit sowas wollte er nichts zu tun haben. Sein Geschäftsmodell, seine Idee, seine Karla! Das konnte doch nicht einfach so vorbei sein?

Was er jetzt tat, hatte er noch nie getan: Er ging zu seinem Fürsten, brachte ihm leckere Kartoffeln mit, nahm die hübsche Karla, und heulte sich bei ihm aus. Beide erzählten ihm, wie sie am Hungertuch nagten, wie das Volk ohne die beiden nicht überleben könne, und schenkten ihm einen Sack voll Gold. Der Fürst war sichtlich berührt und wollte verhindern, dass die beiden verarmen. Er verbot mit sofortiger Wirkung das Tauschen von Kartoffeln. Wer privat anbauen wollte, konnte dies weiterhin tun – aber wer gerne mal was anderes hätte, sollte bei Karla kaufen.

Nach einigen Wochen allerdings merkte Karla, dass sich niemand an das Verbot hielt. Die Leute tauschten weiter Kartoffeln, was das Zeug hielt. Also wieder zum Fürst gerannt und ihm die Lage geschildert, sogar eine Unterschriftensammlung hatte sie organisiert – sämtliche Kartoffelhändler hatten auf ihr unterschrieben. Der Fürst war vom „Kartoffelberger Appell“ beeindruckt und schämte sich für seine Untertanen. Er versprach, mit aller Härte gegen die Raubzüchter vorzugehen. An jeder Ecke stand nun ein Ritter, der jegliche Kartoffeltransporte aufschrieb und sechs Monate lang archivierte. Bei allen Leuten, insbesondere bei denen, die sich mit Kartoffeln auskannten, sahen regelmäßig Ritter in der Wohnung nach, ob da nicht Raubkartoffeln rumlägen.

Das gemeine Volk musste sich was einfallen lassen. Die Ideen waren zahlreich: Kartoffelpflanzen, die nicht wie Kartoffelpflanzen aussehen, die Blumentöpfe im Keller verstecken, einige taten sich sogar zusammen und gründeten einen Verein gegen die Kriminalisierung des Kartoffelanbaus. Der Fürst reagierte schnell: bald war das Anpflanzen von Grünzeug generell verboten. Heimlich drangen Kontrolleure in das Haus ein, schnüffelten im Abfall nach Beweisen von Raubkartoffeln oder versteckten sich gleich in der Küche.

Die „Kartoffelpolizei“, wie sie bald schon genannt wurde, bekam mit der Zeit noch weitere Aufgaben. Manche durch den Fürst, manche aber auch einfach nur durch Angestellte des Fürsten. Sie passten auf, dass niemand eine kritische Meinung über den Fürst äußerte. Sie kontrollierten, dass ja niemand versuchen würde, politischen Einfluss zu nehmen oder das Volk gegen den Fürsten aufzuhetzen. Die Fürsten mehrerer Länder taten sich sogar zusammen, um gemeinsam gegen Raubzüchter vorzugehen und gaben ihre Kompetenzen einem überregionalen Gremium, das fortan die „Kartoffelpolizei“ steuerte und Befehle erteilte.

The Pirate Bay: Anklage halbiert

Ich zitiere Die Ärzte aus ihrem Song Jag älskar sverige!

Wie gerne würd ich jetzt in Schweden sein,
weil jeder Schwede lacht und singt,
und pausenlos das Tanzbein schwingt,
bei 40 Grad und Sonnenschein

Wie bei der taz zu lesen ist, haben die Schweden — und die Welt allgemein — wirklich Grund, das Tanzbein zu schwingen und zu lachen:

Der zweite Prozesstag im Stockholmer Prozess gegen die Administratoren des BitTorrent-Trackers „Pirate Bay“ begann mit einer Sensation. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, am Mittwoch eine Hälfte ihrer Anklage fallen lassen zu wollen.

Hätte man halt Experten einsetzen müssen, statt auf Drängen der Rechteverdreher mit aller Gewalt einen Prozess durchziehen zu wollen. Unter anderem hat die Staatsanwaltschaft einfach alle Klicks auf Downloadlinks auf der PirateBay-Seite gleichgesetzt mit der Anzahl der entstandenen Raubkopien. Dass TPB auch Dateien anderer Tracker listete, war durchaus eine Überraschung für die Staatsanwaltschaft. Folge davon:

Übrig ist jetzt nur noch der Teil der Anklage, in der „Pirate Bay“ vorgeworfen wird, überhaupt Torrent-Dateien bereitgehalten zu haben.

Währenddessen in Deutschland: Experten warnen inzwischen fast jeden Tag vor Netzsperren (Kinderporno, Terrorismus und inzwischen auch Urheberrecht) und werden nicht gehört. Im Gegenteil: Die Warnungen werden gezielt zur Wahlkampfpropaganda genutzt (wie eigentlich das ganze Sperrvorhaben) und als „verantwortungsloses Störfeuer“ abgetan. Schade, dass das in Deutschland lediglich zu einer in der Praxis unwirksamen, aber China-Firewall-ähnlichen Regelung führen wird („Vom Kommunismus lernen heißt siegen lernen“ und so) und nicht gleich durch ein Gericht und die Medien aufgebauscht werden kann (höchstens, wenn das BVerfG ein Machtwort spricht — aber bei Dummheit sind die ja leider nicht zuständig).

Lassen wir uns überraschen, wie sich der TPB-Prozess fortsetzt. Wäre ja auch schade um den schönen Tracker… Wo wir gerade dabei sind: Ich lade auch gerade einen Torrent im Hintergrund, ich böser Raubmordkopierer. Es ist sogar die einzige Möglichkeit, die Dateien zu beziehen… Dumm nur, dass das ausgerechnet fast direkt von den USA gefördert wird: Blue Marble — die hohen Auflösungen sind alle über Torrents zu erreichen.

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